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Luigi Cherubini
Wasserträger |
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FonoForum
11/2002
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Edel sei der Mensch
"Es sucht der Bruder seine Brüder, und kann er helfen,
hilft er gern." Was Don Fernando im Finale des 2.Aufzugs
von "Fidelio" sagt, hätte auch Cherubinis Wasserträger,
der Held von "Les deux journées", sagen können. Von
humanistischen Idealen erfüllt, bringt der einfache
Bürger Mikéli einen verfolgten Grafen samt Frau in
Sicherheit, ohne persönliches Risiko zu scheuen. Nach
der Uraufführung am 16. Januar 1800 im Pariser Théâtre
Feydeau entwickelte sich diese Apotheose des kleinen
Mannes zu einem riesigen Erfolg, der fast das ganze 19.
Jahrhundert auch außerhalb Frankreichs auf den
Spielplänen stand.
Anders als Beethoven spart Cherubini in seiner Comédie
lyrique die erhabenen Töne aus. Die exquisiten
Strophenarien und Ensembles gehen leicht ins Ohr, und
nur hin und wieder, etwa im Entr'acte des 2. Akts oder
gegen Ende des 3. Akts, wird es etwas dramatischer.
Leider vermittelt die Aufnahme kein vollständiges Bild
von der Handlung dieses Singspiels, da alle gesprochenen
Texte fortgelassen wurden. Immerhin ist, bis auf ein
musikalisch unergiebiges Meldodram, die vollständige
Musik dokumentiert.
Die Wiedererweckung dieses einflussreichen Werks ist
wohl Sperings bis dato wichtigste Tat, noch dazu, da sie
auf so fesselnde Weise geschieht, leidenschaftlich,
nervig, scharf profiliert. Mit Mireille Delunsch und
Yann Beuron ist das gräfliche Paar stimmlich gut
besetzt, wenngleich hier keine Meisterleistung in Sachen
Charakterisierung geboten wird. Und ob der matt
klingende Andreas Schmidt in der Titelrolle die richtige
Besetzung war, möchte ich bezweifeln.
Andreas Friesenhagen
Interpretation
****
Klang ****
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Orpheus
Oper International
Musik & Markt
11/2002
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Für Beethoven waren
Cherubinis 1800 in Paris uraufgeführte "Les deux
journées" ("Die beiden Reisen" oder "Der Wasserträger")
ein Schlüsselerlebnis. Bei der Entstehung seiner
"Leonore" ließ er sich durch dessen Oper, in der neben
den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
auch die Gattinnentreue verherrlicht wird, maßgeblich
inspirieren. CHRISTOPH SPERING dirigiert das
großartige Neue Orchester und den klangschönen,
nuanciert singenden Chorus Musicus Köln - natürlich mit
Originalinstrumenten und unter Verwendung der
Originalpartitur - mit pulsierender Vitalität. Die
revolutionäre Stimmung, der Aufruhr ist durch das
ungemein farbige, dynamisch differenzierte und
plastische Orchesterspiel nicht nur in der großen
Ouvertüre und den Zwischenspielen, sondern auch in
den Arienbegleitungen jederzeit herauszuhören. Jeder
Anflug eines harmlosen Singspieltons wird vermieden.
Helmut Christian Mayer
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Das
Opernglas
09/2002
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Wenn sich die Begegnung mit
Cherubinis Oper lohnt, ist das primär ein Verdienst von
Christoph Spering. Zusammen mit seinem Ensemble "das
neue orchester" hat er "Les deux journées" im Mai 2001
in der Kölner Philharmonie konzertant vorgestellt und
dann eingespielt. Die auf historischen Instrumenten
agierenden Musiker gehen derart furios zur Sache, dass
man sich dem Drive dieser rhythmusbetonten Musik kaum
entziehen kann. Wie sonst bei sperrigen Barock-Werken
zeigen die Künstler die Abgründe der Partitur, fächern
das Klangbild weit auf und scheinen raues Kolorit zu
lieben. Der Ernsthaftigkeit dieser
Raritätenbekanntmachung entspricht die Auswahl der
Sänger, obwohl diese angesichts der Übermacht der
Ensemblenummern nur in relativ wenigen Momenten
solistisch tätig werden können. Allen voran gefällt
Mireille Delunsch (Constance), die ihren lyrischen
Sopran überlegen, kraftvoll und resonanzreich führt.
Andreas Schmidt klingt als Mikéli in der Höhe zwar etwas
müde, meistert aber mit stimmlichem Balsam recht
erfolgreich die Tücken des französischen Sprachklangs.
Die Tenöre Yann Beuron (Arant) und Etienne Lescroart
(Antonio) lassen kleinere Schwächen erkennen, wissen
ihre Partien aber insgesamt sehr solide zu singen. Mit
einem überaus schönen, dunklen Sopran sorgt Olga
Pasichnyk in der leider sehr kleinen Rolle der
Marcelline für Aufmerksamkeit. Insgesamt werten die
Interpreten um Christoph Spering das Werk auf, sodass
man gängige Vorurteile, der Uraufführungserfolg der Oper
lasse sich nicht nachvollziehen, nur ungern akzeptieren
mag.
M.Wilks
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Opernwelt
08/2002 |
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Das
fehlende Glied
Vorbild für "Fidelio" und Verbindung zwischen Gluck und
Weber: Cherubinis "Wasserträger" bei opus 111
Goethes Lob, das Libretto zum "Wasserträger" sei so
gut, dass man es auch ohne Musik spielen könne, mag noch
etwas zwiespältig klingen, aber wenn Brahms Cherubinis "Medée"
als das Höchste an dramatischer Musik rühmte, muss man
das schon ernst nehmen. Marschner, Spohr, Weber und
Wagner setzten sich als Dirigenten für den
"Wasserträger" ein, der so zu einer der beliebtesten
Opern des 19. Jahrhunderts wurde. Doch danach verläuft
sich die Spur. Dicke Mehlschwitze legte sich über die
Musik und verdarb den Appetit auf Feineres. So ging
unser Gefühl für eine ganze Epoche verloren.
Es ist der historischen Aufführungspraxis zu verdanken,
dass wir es allmählich wiedergewinnen. Die alten
Instrumente sind so viel farbenreicher und
stimmenfreundlicher, der Stil der Zeit zwischen Mozart
und Wagner wird wieder spürbar. Auch die Reinigung von
Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle hat
zuerst die Gemüter entzweit - heute ist jedermann
glücklich über die wiedergewonnenen Farben. Das
Singspiel in "Fidelio", seine Struktur, der Marsch der
Wachen, jene gewisse Aufgeregtheit - alles schon da in
"Les deux journées", wie der Originaltitel der Oper
hieß. Aber man sieht auch schon, wie der junge Beethoven
das Vorbild kritisch beäugte und beschloss: Das machen
wir alles ganz anders und viel besser!
Christoph Spering hat eine luxuriöse Sängerequipe zur
Verfügung, um eine Rehabilitierung der Oper zu bewirken
- für eine reine Ensemblestimme leistet man sich
Kwangchui Youn. Mireille Delunsch ist wie immer das
reine Labsal - sie ist die treue Gattin, die sich um den
politisch verfolgten Grafen Armand sorgt, in dem der
Sohn des Wasserträgers seinen früheren Retter erkannt
hat. Und nun können die Schweizer ihrerseits den
Wohltäter retten. Da in dieser Opéra comique längere
Dialoge von Musik unterbrochen werden, passt die
Aufnahme auf eine CD - die Aufführung würde aber auch
nur zwei Stunden dauern. Cherubini schrieb volkstümlich
und mit Rousseau'schem Schwung. Dass seine Oper nach
einiger Zeit hinter dem härteren Meisterwerk Beethovens
verschwand, ist verständlich, aber schade.
Bernd Feuchtner |
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Rondo
15.08.2002 |
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Das im Jahre 1800
uraufgeführte Singspiel "Les deux journées" von Luigi
Cherubini ist in Deutschland unter dem Namen "Der
Wasserträger" bekannt geworden. Doch was heißt schon
bekannt? Heute kennen Opernliebhaber meist nur seine "Médée",
und das auch nur deshalb, weil Maria Callas der
Titelrolle ihren Stempel aufdrückte. Cherubini-Fans sind
also in Wirklichkeit meist Callas-Fans, die sich keinen
Deut um die vielen anderen Werke des Meisters scheren,
die über nicht so herausstechende Titelpartien verfügen.
Nun aber hat sich Christoph Spering des
"Wasserträgers" angenommen: Es ist ein Stück
napoleonischer Sozialromantik: Der vom Kardinal Mazarin
verfolgte Parlamentspräsident Armand wird von einem
Wasserträger, also einem Angehörigen der untersten
sozialen Schicht, gerettet. Die Gutmenschen-Rhetorik des
Stücks ist leichter zu ertragen, wenn man daran denkt,
dass nur zehn Jahre vor der Uraufführung die Leichen der
Aristokraten an den Laternen baumelten.
Spering ist es nun gelungen, diese mehr
durchscheinende als brutal gezeigte Aktualität erlebbar
zu machen: Für Fans "historisch informierter"
Orchesterkultur dürfte sein Plädoyer für Cherubini
deswegen mindestens so sensationell wirken wie die
singende Fürsprache der Callas. Die Primadonna assoluta
der Aufnahme ist das Orchester, was die Leistungen aus
der geschlossenen Riege stimmlich überzeugender und
intelligent deklamierender Sänger nicht schmälern soll.
Es singt, es erzählt, es dräut und es malt mit einer
Transparenz und einer Detailfülle, wie sie nur
demjenigen gelingen kann, für den Cherubini kein
Beethoven-Vorläufer und kein Vehikel zu sängerischer
Selbstdarstellung ist, sondern ein Komponist mit einem
ununterscheidbaren eigenen Ausdruckswillen.
Mit Lust darf man wahrnehmen, wie zum angenehmen
Gesang auf freundlich-regelmäßig gebaute Verszeilen eine
Fülle von orchestralen Details tritt. Der verpasst
etwas, der nicht stets auf zwei Stimmen gleichzeitig
achtet: Elegante und geschmeidige Hörner gibt es zu
bestaunen, facettenreiche Fagottklänge, feurig
kommentierende hohe Streicher, sprechende Bratschen und
Pizzicati, die so ausdrucksstark wirken, wie jede andere
Streichertechnik auch.
Und plötzlich beginnt man ein Zeitalter besser zu
verstehen, das sich seine Seele auf dezent farbenreich
klingenden Hammerklavieren herausschrie, das sich nach
einer heilen Gesellschaft sehnte und Grausamkeiten in
bunten napoleonischen Uniformen beging.
Carsten Niemann
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Pianiste
07+08/2002 |
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Un simple porteur d'eau (tel
est d'ailleurs l'autre titre de la partition) qui sauve
un couple de nobles injustement poursuivi par la
vindicte d'un ministre tout-puissant nommé Mazarin: Les
Deux Journées est ce qu'on appelle un "opéra à sauvetage",
dont les plus beaux fleurons seront Fidelio de Beethoven
et Dalibor de Smetana. Beethoven, justement, admirait
beaucoup l'oeuvre de Cherubini, qui ressortit à
l'opéra-comique francais par l'alternance du chant, des
passages parlés et du mélodrame, où la voix parlée se
superpose à la musique. Les Deux Journées, qui fut un
grand succès en son temps, nous était connu par une
soirée londonnienne dirigée par Sir Thomas Beecham.
L'enregistrement de Christopher Spering se fonde sur un
examen minutieux des différentes sources existantes et
nous propose la meilleure version possible des
différentes interprétation de l 'oeuvre. Sans rien
enlever aux charmes de la version Beecham, qui
bénéficiat de la présence de Janine Micheau, ce disque
nous permet d'éntendre, sous une baguette alerte et
rafraichissante, des artistes témoignant de la bonne
santé de l'école française de chant, à commencer par
Mireille Delunsch, dont toutes les prises de rôle sont
un événément. L'occasion aussi de découvrir un autre
visage de Cherubini, trop souvent associé à la seule
Médée.
Didier van Moere
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Diapason
07+08/2002 |
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Le présent enregistrement,
le premier officiellement gravé en studio, avait été
précédé d'une version dirigée à la BBC en 1947 par
Beecham et fugitivement éditée en compact (Inta'glio).
L'édition récente prend appui sur le manuscrit
autographe conservé à Berlin; elle y ajoute un air de
Constance nouvellement découvert, d'autant plus
savoureux que Mireille Delunsch le chante avec le
rayonnement qui la rend unique. Toute l'équipe,
d'ailleurs, de Beuron à Schmidt, en passant par
Lescroart, Pasichnyk et Youn, emporte l'auditeur tant sa
conviction est grande. Entre 1947 et 2001, bien de l'eau
a coulé sous les ponts: plus soigneux stylistiquement,
les chanteurs
d'aujourd'hui sont aussi plus modernes, donc plus
crédibles. La comparaison Mireille Delunsch - Jeanine
Micheau est, à ce titre, éloquente: la première est
naturelle et touchante, sa devancière compose, non sans
maniérisme. Christoph Spering dirige avec scrupule et
fougue; ce qui n'empêche pas de regretter la pointe d'
émotion et de poésie dont Beecham nimbait un ouvrage
dont les naívetés peuvent faire sourire, mais dont
l'importance historique est indéniable.Michel
Parouty
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Culture
pour l'enterprise
06/2002 |
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Pour l'heure, l'on retrouve
avec infiniment de plaisir pour la restitution du
Porteur d'eau de Luigi Cherubini, Christoph Spering,
maestro qui nous a gratifié dans ce répertoire de
l'admirable Singspiel (" jeu chanté ") " Les Conjurées "
de Franz Schubert (1797 - 1828) - , à la tête de ses
deux ensembles de prédilection, le Chorus Musicus Köln
et Das Neue Orchester et d'une distribution dominée en
tête d'affiche par la soprano Mireille Delunsch et par
le ténor Yann Beuron. Ici, le maestro Christoph
Spering redéfinit le charme indéniable, souligne les
demiteinte, comiques, dépeint les frêles mélodies et
dévoile ainsi la réelle beauté intrinsèque de cette
partition qui préfigure, de par sa relative légèreté,
l'opérette. Cela sans aucune fausse grandiloquence,
nulle ornementation déplacée ou pire de pathos de l`ère
romantique mais tout au contraire dans une extrême
musicalité, une judicieuse approche, un pupitre théâtral
sans excès...
Dès lors, cette gravure, à la valeur de témoignage
historique indéniable, va nous révéler la quintessence
de ce mémorable ouvrage lyrique.
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ConcertoNet
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Surtout connu pour sa Médée,
Luigi Cherubini obtint en son temps un succès européen
avec " Les Deux Journées ou Le Porteur d'eau " (1800).
Se rattachant au genre de l'opéra comique, ce court
opéra d'une heure vingt en trois actes défend les idées
républicaines dix ans après la Révolution française à
travers une histoire due au librettiste et poète
Jean-Nicolas de Bouilly. (...) Aujourd'hui tombè dans
l'oubli, cet opéra, qui styliquement annonce " Fidelio "
et le " Freischütz " mériterait plus d'égards ! Dans cet
enregistrement, il les reçoit tous avec une superbe
disrtributuion (Yann Beuron, Mireille Delunsch) et un
orchestre " d'époque " parfaitement dirigé par Christoph
Spering. Un petit bijou que les lyricomanes curieux ne
doivent pas laisser passer !
Philippe Herlin
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